November 2015

November2015

Erbarmt euch derer, die zweifeln. Judas 22

Hört Gott mein Gebet wirklich? Wie kann ein guter Gott all das Leid zulassen? Gibt es Gott überhaupt? Es gibt Fragen und Erfahrungen, die in uns Zweifel hervorbrechen lassen. Davon berichtet auch die Bibel.

Johannes der Täufer fragte sich ob Jesus wirklich der Messias ist. Thomas wollte seinen Mitjüngern keinen Glauben schenken, als sie von der Auferstehung ihres HERRN berichteten. Gideon wollte sich mehrfach vergewissern, dass Gott wirklich mit ihm ist. Die Liste von Menschen aus der Bibel, deren Glaube ins Straucheln geriet, ließe sich fortführen.

Dürrezeiten und Zweifel sind Teil des menschlichen Lebens. Auch und gerade Menschen, die mit Gott ernst machen, sind davon nicht ausgenommen.

Einerseits können Zweifel uns ausbremsen und uns hindern unserer Berufung zu folgen. Andererseits können sie aber auch dazu beitragen unseren Glauben wachsen und reifen zu lassen.

Entscheidend ist wie wir mit den Zweifeln in uns und anderen umgehen. Und dazu gibt der Vers Aufschluss!

„Erbarmt euch derer, die zweifeln.“

Vorab, die Gemeinde besteht aus Menschen die Zweifel kennen. Das wird hier praktisch vorausgesetzt und bestätigt.

Zweifler sind bei Gott willkommen. Sie sind mit von der Partie.

Zudem haben die Zweifelnden selbst der Gemeinschaft nicht den Rücken zugekehrt, sondern sie suchen trotz oder gerade wegen ihrer Zweifel Antworten von Gott in der christlichen Gemeinschaft. Offensichtlich gab es bei den Christen damals den nötigen Raum, dass Zweifel geäußert werden konnten. Es war möglich kritische Fragen zu stellen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Unmissverständlich sollen wir Zweifelnde nicht verurteilen oder harsch zurechtweisen, sondern sie ins Herz schließen und uns ihnen liebevoll zuwenden. Das zumindest verstehe ich unter „erbarmen“. Dazu gehört z.B., dass wir einander Gehör und Zeit schenken, Lasten mittragen und kritische Fragen an unseren Glauben, unsere Gemeinde und die christliche Kirche als Ganzes zulassen.

Gleichzeitig haben solche ausgesprochenen Zweifel aber auch das Potential uns und unsere Gemeinde voranzubringen. Dann nämlich, wenn sie dazu führen, dass wir Wunde Punkte an uns oder in unserer Kirche erkennen und wir sie Gott mit der Bitte um Heilung hinhalten. Vielleicht erfährt so nicht nur der Zweifelnde Gottes Zuwendung, sondern auch der fest im Glauben Stehende.

Zu guter Letzt, wenn wir selbst ins Zweifeln gekommen sind, dürfen wir auch mit uns selbst barmherzig sein, zum einen weil wir nicht die ersten und einzigen Zweifler sind, zum anderen, weil Gott selbst barmherzig mit uns ist.

Matthias B.